Deutsche Antarktisforschung

Die Geschichte der permanenten deutschen Präsenz in der Antarktis begann 1976 mit der Eröffnung des DDR-Basislaboratoriums in der Schirmacher-Oase.

Foto: (c) Volker Strecke DL8JDX: Die Georg Forster Station, das frühere Basislabor in der Schirmacheroase, 1988.

Diese Station wurde 1987 offiziell nach dem Naturforscher Georg Forster benannt und leistete Pionierarbeit in der Atmosphärenforschung. Ein wissenschaftlicher Meilenstein der Forster-Station war die Entdeckung und Dokumentation des antarktischen Ozonlochs in den 1980er-Jahren.
Fast zeitgleich trat die Bundesrepublik Deutschland 1979 dem Antarktis-Vertrag bei und errichtete 1981 die Georg-von-Neumayer-Station I auf dem Ekström-Schelfeis. Zur Koordinierung dieser Aktivitäten wurde 1980 das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven gegründet, das heute weltweit zu den führenden Polarforschungszentren zählt.
Im Jahr 1982 nahm der Forschungseisbrecher Polarstern seinen Dienst auf, der seither als Rückgrat der deutschen Logistik und Wissenschaft dient.
Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurden die Forschungskapazitäten von Ost und West unter der Leitung des AWI erfolgreich zusammengeführt. Die Georg-Forster-Station wurde 1993 planmäßig stillgelegt und das Gelände im Sinne des Umweltschutzprotokolls vollständig beräumt.
Da die ersten Neumayer-Stationen im Laufe der Jahre durch Schneelast im Eis versanken, wurde ein völlig neues Architekturkonzept entwickelt. Die 2009 eingeweihte Neumayer-Station III steht auf hydraulischen Stelzen, die regelmäßig angehoben werden, um dem wachsenden Eisstand zu entkommen.
Neben dieser Hauptbasis betreibt Deutschland im Sommer die Kohnen-Station auf dem Inlandeis für spezialisierte Eiskernbohrungen. Diese Bohrungen ermöglichen es Wissenschaftlern, das Klima der letzten Hunderttausende von Jahren präzise zu rekonstruieren.
Ein weiterer wichtiger Standort ist die Dallmann-Laborstation, die in Kooperation mit Argentinien auf der Potter-Halbinsel betrieben wird.
Die geowissenschaftliche Forschung wird maßgeblich durch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) an Standorten wie der Gondwana-Station vorangetrieben.
Im Jahr 2025 liegt ein besonderer Fokus der Forschung auf der Stabilität der großen Eisschelfe im Weddellmeer.
Deutsche Biologen untersuchen zudem intensiv die Auswirkungen der Ozeanerwärmung auf das Nahrungsnetz, von winzigem Krill bis hin zu Walpopulationen.
Automatisierte Unterwasserroboter und Satellitendaten unterstützen heute die Forscher dabei, Veränderungen auch während des harten antarktischen Winters zu überwachen.
Deutschland setzt sich im Rahmen des Antarktis-Vertragssystems massiv für die Ausweisung von Meeresschutzgebieten ein.

Foto: (c) Volker Strecke DL8JDX: Das deutsche Polarforschungsschiff „Polarstern“ bei einer Meereisentladung, 1992.

Aktuelle Vorbereitungen im Jahr 2025 konzentrieren sich auf den Bau der „Polarstern II“, die künftig noch umweltfreundlicher in den Polarregionen operieren soll.
Insgesamt sichert die kontinuierliche deutsche Forschung wertvolle Erkenntnisse, die für das Verständnis des globalen Klimasystems und den Schutz unseres Planeten unerlässlich sind.