Georg-Forster-Station

Die Georg-Forster-Station war die erste ganzjährig betriebene deutsche Forschungsbasis in der Antarktis. Sie wurde am 21. April 1976 von der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in der Schirmacher-Oase in Betrieb genommen.
Geografisch lag die Station im Königin-Maud-Land, etwa zwei Kilometer entfernt von der sowjetischen Station Nowolasarewskaja. Bis 1987 wurde sie schlicht als „Basislaboratorium“ bezeichnet, bevor sie offiziell nach dem Naturforscher Georg Forster benannt wurde.
Der Aufbau der Station bestand primär aus vorgefertigten Wohn- und Laborcontainern, die für die extremen Bedingungen modifiziert waren.

Foto: (c) Volker Strecke DL8JDX: Die Georg Forster Station in der Schirmacheroase, 1991.

Ein zentrales Forschungsziel war die Untersuchung der Hochatmosphäre und der Magnetosphäre in polaren Breiten. Weltweite Berühmtheit erlangte die Station durch die ballongetragenen Ozonmessungen, die im Mai 1985 begannen. Diese Messungen lieferten entscheidende Daten zur vertikalen Ausdehnung des damals neu entdeckten Ozonlochs. Neben der Meteorologie bildeten die Geodäsie und die Glaziologie weitere wissenschaftliche Schwerpunkte der Station.
Über 100 Wissenschaftler arbeiteten während des 17-jährigen Bestehens in der kargen Felslandschaft der Oase.
Eine Besonderheit war die enge logistische Kooperation mit der Sowjetunion, die den Transport und die Energieversorgung unterstützte.
Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde die Station vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) übernommen. Da das AWI bereits die Neumayer-Station betrieb, wurde entschieden, die Georg-Forster-Station aus Effizienzgründen stillzulegen. Der wissenschaftliche Betrieb endete offiziell im Februar 1993, womit eine Ära deutscher Polargeschichte zu Ende ging. Die wertvolle Ozon-Messreihe wurde nach der Schließung an der Neumayer-Station fortgeführt, wo sie bis heute als eine der längsten der Welt gilt.
Der Rückbau der Station erfolgte zwischen 1993 und 1996 in Übereinstimmung mit dem Umweltschutzprotokoll zum Antarktis-Vertrag. In einer logistischen Meisterleistung wurden sämtliche Gebäude, Fundamente und Abfälle vollständig vom Kontinent entfernt. Heute erinnert nur noch eine kleine Gedenktafel vor Ort an die ehemalige Forschungsstätte in der Schirmacher-Oase.
Die Station gilt heute als Symbol für den erfolgreichen Transfer von DDR-Spitzenforschung in das vereinte Deutschland. Zum 50. Jubiläum der Gründung wird die Deutsche Post im Jahr 2026 eine Sonderbriefmarke zu Ehren der Georg-Forster-Station herausgeben.