Neumayer-Station II

Die Neumayer-Station II wurde im März 1992 als direkter Nachfolger der ersten deutschen Schelfeisstation in Betrieb genommen. Sie befand sich nur wenige Kilometer vom Standort der Neumayer I entfernt auf dem Ekström-Schelfeis an der Atka-Bucht.

Foto: (c) Volker Strecke DL8JDX: Die Neumayer-Station II auf dem Schelfeis an der Atka Bucht, 1993.

Das Bauprinzip basierte wie bei ihrer Vorgängerin auf zwei riesigen Stahlröhren, die tief im Eis versenkt wurden. Jede der beiden Röhren war rund 90 Meter lang und beherbergte modulare Container für Wohn-, Arbeits- und Lagerräume. In der Station konnten bis zu 10 Personen überwintern, während die Kapazität im antarktischen Sommer deutlich höher lag.
Ein zentrales Forschungsziel war die Fortführung der Langzeitmessreihen in den Bereichen Geophysik, Meteorologie und Luftchemie. Die Station verfügte über ein spezialisiertes Observatorium zur Messung des Erdmagnetfeldes und zur Aufzeichnung seismischer Aktivitäten. Durch kontinuierliche Luftuntersuchungen lieferte Neumayer II wichtige Daten über die Reinheit der antarktischen Atmosphäre und globale Schadstoffverfrachtungen.
Ein technischer Fortschritt war die verbesserte Energieversorgung, die durch eine effizientere Kopplung von Strom- und Wärmeerzeugung erreicht wurde.
Die Station diente zudem als logistischer Knotenpunkt für Feldexpeditionen, die tiefer in das antarktische Hinterland vorstießen.
Wie alle Stationen auf dem Schelfeis driftete auch Neumayer II mit dem fließenden Eis jährlich etwa 150 Meter in Richtung Ozean.
Eine der größten Herausforderungen blieb die enorme Schneelast, die die Station jedes Jahr um etwa einen Meter tiefer einsinken ließ.
Um den Zugang zu sichern, mussten die Einstiegsschächte regelmäßig verlängert und Schneemassen mit schweren Fahrzeugen geräumt werden.
Im Laufe der 17-jährigen Betriebszeit führten der enorme Eisdruck und die Fließbewegungen zu irreparablen Verformungen der Stahlhülle.
Trotz dieser extremen mechanischen Belastung galt die Station bis zu ihrem Ende als technisch zuverlässig und wissenschaftlich hochproduktiv.
Im Jahr 2009 wurde der Betrieb offiziell eingestellt, als die modernere Neumayer-Station III ihren Dienst aufnahm.
Der Rückbau der Station war aufgrund der tiefen Lage im Eis eine gewaltige logistische Aufgabe für das Alfred-Wegener-Institut.
Im Einklang mit dem Antarktis-Umweltschutzprotokoll wurden alle umweltgefährdenden Stoffe und Aufbauten vollständig entfernt.
Neumayer II markierte den Übergang von der Pionierzeit hin zu einer voll digitalisierten und international vernetzten Polarforschung.
Heute liegen die im Eis verbliebenen Hohlräume der Station längst unter einer massiven Schneeschicht und bewegen sich unaufhaltsam auf die Abbruchkante des Schelfeises zu.